Florian Kobler
sorgt sich um den Mangel an altersgerechten Wohnungen im Kanton.
Toni Marchese leitet seit zehn Jahren mit viel Leidenschaft das FC-Beizli. tb
Seit zehn Jahren führt Toni Marchese das sogenannte FC-Beizli und investiert dafür Woche für Woche eine zweistellige Stundenzahl. Mit 75 Jahren hat er nun seinen Rücktritt für Ende Saison angekündigt – zumindest in der Rolle als Hauptverantwortlicher.
Buechenwald «Ich bin nun 75 Jahre alt und entsprechend wird es Zeit, etwas kürzer zu treten. Ich habe in den letzten Jahren sehr viele Stunden auf dem Fussballplatz verbracht und teilweise auch an Familienfeiern gefehlt», erklärt Toni Marchese, weshalb er im Sommer seine Aufgabe als Leiter des FC-Beizlis abgeben möchte. An einem regulären Meisterschaftswochenende verbringe er 10 bis 15 Stunden auf dem Sportplatz. «Und dank Kunstrasen ist die Saison immer länger geworden. Während früher vielleicht an acht Monaten im Jahr gespielt wurde, finden heute fast durchgehend Partien statt», stellt Marchese fest. Auch unter der Woche öffnet der gebürtige Italiener die Beiz, wenn Spiele stattfinden. «Vor zehn Jahren wurde ich angefragt, weil ich früher den Italo-Club in Gossau geführt habe. Dank etwas Überredungskunst der Verantwortlichen habe ich den Versuch gewagt und Gefallen an der Aufgabe gefunden», erzählt Marchese.
Das erste Jahr sei zwar schwierig gewesen, weil er selbst noch berufstätig war und die Zusammenarbeit mit dem von ihm angefragten Freund im Beizli nicht wie gewünscht harmoniert habe. «Wir arbeiteten früher im Italo-Club zusammen, aber im FC-Beizli funktionierte es irgendwie nicht. Deshalb haben wir uns getrennt. Wir sind aber immer noch gute Freunde», sagt Marchese. Ab der zweiten Saison habe er dann ein Team von Freiwilligen zusammengestellt, zu dem unter anderem zwischenzeitlich auch seine Tochter und sein Schwiegersohn gehörten. «Schliesslich waren wir rund 15 Personen, die sich freiwillig im Beizli engagierten und ich bin in diese Aufgabe reingewachsen», blickt Marchese zurück. Seit einigen Jahren wird er bei der Führung des Beizlis von Alexandro Felipe unterstützt, der ab Sommer auch seine Nachfolge antreten soll. «Aktuell ist geplant, dass ich weiterhin für die Infrastruktur zuständig bin und Alex für den Betrieb», erzählt Marchese. Aber wie es im kommenden Fussballjahr mit dem Beizli genau weitergeht, werde man noch sehen. Anfangs Februar ist eine Sitzung mit allen Helferinnen und Helfern und den Vereinsverantwortlichen angesetzt.
Klar ist für Marchese, dass er seine Mitstreiter nicht im Stich lassen wird: «Ich werde bei Bedarf sicher auch mal einspringen.» Denn der FC Gossau ist für ihn eine Herzensangelegenheit. 1985 stiess er als Trainer des Italo-Teams zum Verein. Bevor er zum Beizer wurde, und lange auch parallel zu dieser Aufgabe, engagierte er sich weiterhin an der Seitenlinie. «Ich habe fast alle Juniorenstufen trainiert. Teilweise sind sogar Kinder zu mir gekommen, von denen ich bereits die Väter trainiert hatte», erzählt Marchese lachend. Der Fussball habe ihm viel gegeben, er habe gute Zeiten erlebt und dank dem Teamsport Freunde und Kollegen kennengelernt. «Als ich mit 15 Jahren in die Schweiz auswanderte, erlebte ich zu Beginn einen Kulturschock. Ich habe die Sprache nicht verstanden und wollte so schnell wie möglich zurück», erinnert sich Marchese. Dabei habe er selbst darum gebeten, dem Vater in die Schweiz folgen zu dürfen, der aus wirtschaftlichen Gründen einige Jahre zuvor in den Norden ausgewandert war. «Ich wusste damals nichts über die Schweiz – ausser, dass einige Leute mit einem Auto von dort zurückkehrten. Also dachte ich, so schlecht kann es nicht sein», erzählt Marchese, der in Apulien in der Provinz Lecce aufgewachsen ist.
Zu Beginn wohnte er in St.Gallen und begann beim SC Brühl mit dem Fussball. Vor rund 50 Jahren folgte der Umzug nach Gossau. «Meine Ex-Frau ist hier aufgewachsen und der Ort war gut gelegen für meinen Arbeitsplatz. Deshalb sind wir hierhergekommen», berichtet Marchese. Danach ist er nie mehr weitergezogen. «Und das werde ich wohl auch nicht mehr tun», sagt er mit einem Lachen. Und so wird Marchese wohl auch zukünftig viele Stunden auf dem Gossauer Fussballplatz verbringen – trotz des Vorsatzes, zukünftig etwas kürzerzutreten.
Von Tobias Baumann
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