Mathias Gabathuler
hat Gespräche zum Sportpark Gründenmoos wieder aufgenommen.
Der Vorstand des Hospiz- und Entlastungdienstes, von links: Monika Stamm, Priska Bullinger, Dr. Thomas Sonderegger, Annekäthi Daberkow, Cornelia Kühnis, Angela Koller, Werner Krüsi, Esther Furrer, Sigrun Holz. z.V.g.
Seit März dieses Jahres bietet der Hospiz- und Entlastungsdienst AR sein Unterstützungsangebot auch in den Gemeinden Teufen, Bühler und Gais an. Präsidentin Sigrun Holz berichtet, dass das Angebot gut angelaufen ist.
Ausserrhoden Sigrun Holz ist Pfarrerin der evangelisch-reformierten Kirche in Speicher und seit elf Jahren die Präsidentin des Hospiz- und Entlastungsdienstes AR. Offiziell gegründet wurde der Verein zwar erst 2017, die Geschichte beginnt aber 2014. «Wir hatten damals eine Anfrage von Daniel Büche, der im Kantonsspital St.Gallen die Palliativstation geleitet hatte. Im Konzept Palliative Care Ausserrhoden» wird auf die Bedeutung von Freiwilligen zur Begleitung von schwer kranken und sterbenden Menschen hingewiesen. Anlass genug, so fand Büche, auch in Speicher, Trogen und Wald eine Freiwilligengruppe aufzubauen. So sei er an die katholischen und evangelischen Kirchen der drei Gemeinden gelangt. «Nach seinen Erläuterungen fanden wir, dass wir starten sollten», so Holz. So wurden die politischen Gemeinden sowie Kirchenverwaltungen im Kanton angeschrieben und eingeladen. «Alle sind gekommen, das Interesse war gross und sämtliche Eingeladene haben uns finanziell unterstützt.» Holz übernahm schliesslich das Präsidium – bis heute. «Ich bin geblieben, da stets neue Herausforderungen auf uns warteten. Schliess-lich schlossen sich uns auch die Gemeinden aus dem Hinterland an und wir hatten auf einmal zehn Dörfer, in denen wir wirkten», erinnert sich Holz.
Im vergangenen Jahr kamen die Gemeinden Bühler, Gais und Teufen noch hinzu – jedoch nur, was die operative Arbeit, also die Sterbebegleitung und Entlastung, betrifft. «Der Verein Palliative Care Rotbachtal besteht nach wie vor», so Holz. Im Vergleich zur Gründungsveranstaltung 2014 sei es heute nicht mehr so einfach, finanzielle Unterstützung aller Gemeinden zu erhalten. «Das wird immer etwas schwieriger, die Gemeinden können selbst entscheiden, wie viel Unterstützung sie sprechen wollen. Und auch wenn alle Gemeinden das Angebot gerne anbieten wollen und wir das leisten, haben wir noch nicht von allen der 13 Gemeinden Mittel erhalten», so Holz. Dennoch gehe es dem Verein gut – was die Spenden betrifft, könne man sich nicht beklagen. Bei der Einbindung der drei neuen Gemeinden sei sehr erfreulich gewesen, dass schnell neue Freiwillige gefunden wurden. «Vom Gebiet und der Anzahl Freiwilligen geht es wunderbar auf», so Holz. Gesamthaft leisten 32 Menschen freiwillige Einsätze – weitere Interessierte sind stets willkommen. Viele von den Freiwilligen beginnen mit der Arbeit beim Hospiz- und Entlastungdienst AR, wenn sie in Pension gehen. «Was dabei ein schöner Aspekt ist, dass sie sich alle automatisch mit den Themen begrenzte Lebenszeit und Sterben auseinandersetzen. So geschieht das ganz natürlich», meint Holz.
Holz hat in ihrer Tätigkeit als Pfarrerin ein ähnliches Arbeitsfeld, wie im Verein. «Auch dort bin ich ab und zu an Sterbebetten. In beiden Arbeitsfeldern erlebe ich Menschen, die bedürftig sind nach Zuwendung und Nähe. Dass es Freiwillige gibt, die das leisten können, ist beglückend und bereichernd», betont Holz. Auch für die Angehörigen sei das Angebot wichtig. «Hilfe annehmen fällt oft schwer, nimmt aber ein Stück der Belastung von den Schultern», so Holz. Die Klientinnen und Klienten sind entweder dement oder schwer krank. «Altersmässig bestehen auch grosse Unterschiede. Vergangenes Jahr war die jüngste Person, die wir begleitet haben, Jahrgang 2001, die älteste 1926. Wir sehen viele Krankheitsbilder, einige sind sehr erschütternd», so Holz. Was bei den meisten der Fall ist: sie wollen nicht alleine sein.
Der Hospiz- und Entlastungsdienst vereinbart jeweils mit den Personen und deren Angehörigen, was gewünscht wird und wie genau die Sterbebegleitung oder Entlastung aussehen soll. «Das gestaltet sich sehr unterschiedlich. Manche wollen an der Hand gehalten werden, andere möchten einfach eine Person im Haus wissen.» Das Schönste an der Arbeit sei das Vertrauen, welches zwischen den Menschen entsteht. «Dass wir einander in hochexistenziellen Situationen vertrauen und uns Gutes tun, zeigt, dass wir eine Gemeinschaft sind.» Für Holz ist die Hospizarbeit etwas Zentrales in der Gesellschaft. Sie schwärmt von der Begründerin der modernen Hospizbewegung, Cicely Saunders (1918 bis 2005) . Die englische Krankenschwester, Sozialarbeiterin und Ärztin war überzeugt: Sterbende Menschen sollen nicht einfach «verwahrt» oder «behandelt», sondern aktiv begleitet werden – mit Respekt, Würde und echter Lebensqualität – bis zuletzt. Sie hat zudem gezeigt, dass auch das Sterben ein Teil des Lebens ist, den man gestalten kann – menschlich, achtsam und sinnvoll. «Menschen sollen auch heute noch erleben, dass ihr Leben bis am Schluss würdevoll und lebenswert sein kann. Wir sind dazu da, den Menschen zu zeigen, dass sie wichtig sind», betont Holz.
Sie ist überzeugt, dass diese Freiwilligenarbeit eine schöne Aufgabe ist. «Wir suchen ohnehin nach Sinn. Und das ist eine schöne und gleichzeitig sinnstiftende Arbeit. Ausserdem erfährt man, wie gross Dankbarkeit sein kann. Wir erhalten viel zurück.» Für die Zukunft wünscht sich Holz, dass der Verein breit bekannt ist und die Menschen den Mut haben, das Angebot in Anspruch zu nehmen. Auch die finanzielle Würdigung durch Kirchgemeinden und politische Gemeinden ist weiterhin erwünscht. Der grösste Wunsch ist aber: «Das wir ein gemeinschaftliches Leben führen. Wir werden auch künftig die Herausforderungen von einsamen Menschen haben – vielleicht noch mehr als heute. Daher müssen wir überlegen, wie wir wieder mehr gemeinsame Räume schaffen und fördern können», sagt Holz.
Stefanie Rohner
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