Mathias Gabathuler
hat Gespräche zum Sportpark Gründenmoos wieder aufgenommen.
Hassan Azadeh aus Herisau hat ein neues Buch geschrieben. Für den kurdisch-iranischen Autor ist «8 Milliarden und 156 Millionen Blicke auf den Weltfrieden» eine globale Einladung, sich vom regionalen Frieden hin zu einem universellen Frieden zu bewegen. Die Inspiration für sein Buch war sein zwölfjähriger Sohn.
Buch «Als ich über die achteinhalb Millionen Einwohner der Schweiz nachdachte – das Land, das als Symbol für Frieden und Neutralität steht – sprang mein Gedanke zur gesamten Weltbevölkerung von über acht Milliarden Menschen. Stellen Sie sich vor, welche Kraft entstehen würde, wenn jeder Einzelne, unabhängig seiner Nationalität, eine einheitliche Sicht auf den Frieden hätte. Für mich ist der Titel eine Philosophie», sagt Hassan Azadeh. Er sieht es so, dass alle einen Anteil am Aufbau des Friedens tragen. Das neue Buch kam wegen seines Sohnes zustande. «Seine Frage traf mich eines Tages wie ein Schlag auf den Kopf. Mohammad wollte wissen, warum manche Kinder wie er in Europa und Amerika bequem zur Schule gehen, während andere im Nahen Osten oder in Afrika unter Bombardierungen oder in Schutzräumen lernen müssen oder sogar an Hunger sterben? Diese Frage hat mich gelehrt, dass Frieden mehr als nur die Abwesenheit von Krieg ist», sagt Azadeh. Es gehe um die Gewährleistung des grundlegendsten Rechts jedes Kindes: das Recht auf Leben, auf Sicherheit und Bildung. «Seine Frage wurde zum Kernpunkt des Buches.» Auf Azadehs Instagram-Profil «hassan_writer_swiss» spricht sein Sohn über die Wünsche, die er hat.
Das Buch ist in Form eines Briefes an die Staats- und Regierungschefs der Welt geschrieben. «Wir leben in einer Zeit, in der politische Kommunikation kompliziert geworden ist. Ich wollte dieser Komplexität entfliehen und zur einfachsten Form des Dialogs zurückkehren: dem Brief», sagt Azadeh. Das Buch in Briefform sei die offene und ehrliche Stimme seines zwölfjährigen Sohnes, der direkt mit jenen sprechen möchte, die die Macht haben, das Schicksal von Menschen zu verändern. «Ich möchte die Staats- und Regierungschefs daran erinnern, dass jenseits der Verhandlungstische Familien, Kinder und gemeinsame Ideale existieren, die im Mittelpunkt jeder Entscheidung stehen sollten», betont Azadeh. Im Buch spricht er über Frieden, Frauenrechte, Kinderrechte und die Umwelt. «Diese Bereiche sind nicht voneinander zu trennen. Sie sind die zentralen Säulen eines gemeinsamen Hauses, das wir 'nachhaltigen Frieden' nennen.» Frauen seien erste Friedenslehrerinnen und Begründerinnen der Familie. «Eine Gesellschaft, die Frauen nicht respektiert, ist im Grunde erschüttert.» Die Kinder seien die Friedenszukunft. «Wenn ihre Sicherheit nicht gewährleistet ist, wird der Samen für den nächsten Krieg gesät.» Die Zerstörung der Umwelt bedeute die Zerstörung des Lebensrechts künftiger Generationen und wäre die Hauptursache für künftige Konflikte um Ressourcen.
Azadeh möchte das Buch, dass sich derzeit im Druck befindet, an internationale Organisationen, den Bundesrat, die UN-Frauenorganisation, UNICEF, ans US-Umweltprogramm, Vertreter der fünf Kontinente und an zwei Friedensnobelpreisträger schicken. «Es ist eine symbolische Geste, kein Versuch, Aufmerksamkeit zu erregen. Mein Ziel ist es, diese Botschaft in die Hände jener zu legen, die nicht nur politischen Einfluss, sondern auch die moralische Autorität zur Veränderung besitzen», sagt Azadeh. Die Friedensnobelpreisträger sind für ihn das wache Gewissen der Welt. «Wenn ein einziger Satz aus diesem Buch eine Perspektive im Kopf eines Entscheidungsträgers ändern und den Funken für eine konstruktive Tat entzünden kann, dann habe ich mein Ziel erreicht.» Azadeh wohnt mit seiner Frau Ameneh Ahmadyan in Herisau, einem ruhigen und friedlichen Ort. «Das Leben in der Schweizer Ruhe und Ordnung war für mich eine Lektion: Frieden beginnt nicht mit grossen Ereignissen – Frieden wird durch alltägliche Details geformt. Wahrer Frieden beginnt mit dem Respekt vor der Nachbarschaft, dem täglichen Lächeln, der zivilen Ordnung und der Erkenntnis, dass mein Komfort nicht auf Kosten des Komforts anderer gehen darf», sagt er.
Azadeh ist Mitglied der PEN-Vereinigung – im internationalen sowie im deutschschweizer PEN-Zentrum. PEN fördert die Literatur und verteidigt die freie Meinungsäusserung. Er zählt zu den bekanntesten internationalen Autorenverbänden. «PEN ist für mich eine Brücke zwischen Kulturen. Die Mitgliedschaft ermöglicht es mir, die Stimme von Autoren zu sein, deren Stimme zum Schweigen gebracht wurde. Die Vereinigung ermöglicht, dass Dialog statt Konflikt und Empathie anstelle von Gleichgültigkeit im Mittelpunkt stehen», sagt Azadeh. Er erhofft sich, dass die Leserinnen und Leser einiges aus seinem Buch mitnehmen und für sich lernen können. «Keine Stimme ist zu klein und keine Einzelperson ist wirkungslos. So wie die Stimme eines Kindes aus Piranšahr oder einer kleinen Schweizer Stadt ein ganzes Land bewegen kann, beginnt auch der Weltfrieden mit einem engagierten Blick, einer ehrlichen Frage und einer kleinen individuellen Tat», sagt Azadeh. Aus seiner Sicht sollte jeder Leser das Buch mit der Überzeugung schliessen, dass er ein potenzieller Friedensbotschafter ist – und mit dem Bewusstsein, dass die Verantwortung für ein besseres Morgen bei uns allen liegt.
Stefanie Rohner
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