Mathias Gabathuler
hat Gespräche zum Sportpark Gründenmoos wieder aufgenommen.
Seit 20 Jahren führt die Caritas die Aktion durch. Caritas
Firmkandidatinnen und -kandidaten der katholischen Pfarrei engagieren sich am Samstag, 13. Dezember, im Caritas-Projekt «Eine Million Sterne». Dieses macht auf das Thema Armut in der Schweiz aufmerksam.
Armut Die Firmlinge lassen die Kirche Zürchersmühle in Urnäsch im Kerzenlicht erstrahlen – für eine solidarische Schweiz. Um 18.30 Uhr beginnt der von den Firmlingen mitgestaltete Gottesdienst im Kerzenlicht. Die Organisatoren freuen sich über die Teilnahme und eine Spende. Das Projekt ist seit 20 Jahren ein fester Bestandteil des nationalen Caritas-Jahresprogramms. «Die Aktion ist Teil einer europaweiten Bewegung, wird jedoch in der Schweiz mit einem klaren Fokus durchgeführt: Es geht nicht primär um das Sammeln von Spenden, sondern um Sensibilisierung, Sichtbarkeit und Solidarität mit Menschen, die von Armut betroffen oder armutsgefährdet sind», sagt Akin Levent Kayrahan, Mitarbeiter Kommunikation der Caritas St.Gallen-Appenzell. Regional tragen diverse Partner dazu bei, dass die Veranstaltungen vor Ort umgesetzt werden. «Gemeinsam gestalten wir Lichterinstallationen, die durch das kollektive Anzünden der Kerzen für Zusammenhalt, Mitmenschlichkeit und Hoffnung stehen», so Kayrahan. Die Grundidee, ein gemeinsames Lichterzeichen der Solidarität, ist unverändert geblieben. In der Umsetzung habe sich die Aktion weiterentwickelt, insbesondere durch die Vielfalt der lokalen Partner, die jedes Jahr neue Formen der Gestaltung einbringen. «Was sich noch im Laufe der Jahre verändert hat, ist die Reichweite der Orte, an denen die Aktion stattfindet. Dadurch erreichen wir immer wieder Menschen, die bisher wenig Berührungspunkte mit dem Thema Armut in der Schweiz hatten. So entstehen jedes Jahr neue Anknüpfungspunkte, die das Thema ins Bewusstsein rufen.»
Die Adventszeit sei für viele Menschen eine Phase der Besinnung, der Solidarität, und der Begegnung. Gleichzeitig erlebten aber hilfsbedürftige Personen diese Zeit oft sehr intensiv – nicht selten als Phase der Einsamkeit oder der finanziellen und sozialen Belastung. «Genau deshalb eignet sich die Vorweihnachtszeit, um auf Armut aufmerksam zu machen», meint Kayrahan. In der Schweiz zeige sich Armut oft im Verborgenen. Es gebe Menschen, die aufgrund hoher Lebenshaltungskosten, unsicherer Erwerbssituationen oder familiärer Belastungen in schwierige Lebenslagen geraten. «Das ist für ihr Umfeld nicht immer sichtbar. 'Eine Million Sterne' macht auf diese eher leisen Formen von sozialer Not aufmerksam, weil sie im Alltag häufig übersehen werden. Im Mittelpunkt stehen Menschen, deren finanzieller Spielraum sehr begrenzt ist, Working-Poor-Haushalte, Alleinerziehende oder Personen, die trotz Erwerbstätigkeit kaum über die Runden kommen», so Kayrahan. Ebenso thematisiert die Caritas Situationen, in denen soziale Ausgrenzung oder Isolation eine Rolle spielen, besonders in einer Zeit, die für viele als festlich gilt. «Die Aktion schafft einen Raum, in dem Betroffene spüren können, dass sie nicht allein sind», erklärt Kayrahan. Das Thema Armut werde so auf eine Weise vermittelt, die emotional berühre und gesellschaftliches Bewusstsein stärke.
Die lokalen Veranstaltungen von «Eine Million Sterne» werden eigenständig vor Ort organisiert. Die jeweiligen Partner – ob kirchliche, zivilgesellschaftliche oder lokale Initiativen – gestalten ihre Aktionen selbst und tragen die Verantwortung für Planung und Durchführung. «Für uns ist es wichtig, dass die Anlässe lokal verankert sind und aus der jeweiligen Gemeinschaft heraus entstehen. Caritas unterstützt mit Orientierung, Materialien und der Verbindung zur nationalen Kampagne – ohne in die lokale Organisation einzugreifen. Wir fungieren als Anlaufstelle und verknüpfen die lokalen Aktivitäten miteinander», sagt Kayrahan. Neben den zahlreichen Partnerorganisationen organisiert auch jede einzelne Caritas-Regionalstelle ihren eigenen «Eine Million Sterne»-Anlass. Damit bleibe die Aktion sowohl in den lokalen Gemeinden als auch im weiteren Umfeld präsent. Auch wenn der Schwerpunkt auf der Sensibilisierung liegt, besteht an vielen Veranstaltungsorten die Möglichkeit, freiwillig zu spenden. «Weil unsere Grundkosten wie Löhne, Mieten, Betrieb und Administration über die Kirchensteuer gedeckt sind, fliessen 100 Prozent der Spenden direkt in die regionalen Angebote», so Kayrahan. Die Aktion ist dabei nicht an ein bestimmtes Projekt gebunden. Sie trage jedoch dazu bei, dass Menschen auf bestehende Unterstützungsangebote aufmerksam werden – «so etwa auf die Sozial- und Schuldenberatung, die KulturLegi, die Caritas-Märkte oder weitere regionale Hilfsangebote. Ein wichtiger Punkt ist unsere finanzielle Transparenz: Caritas veröffentlicht jedes Jahr einen Jahresbericht, in dem Einnahmen, Ausgaben und Projektfinanzierungen klar aufgeführt sind.» Damit stelle man sicher, dass die Öffentlichkeit nachvollziehen kann, wie die Mittel eingesetzt werden. Die regionalen Angebote ermöglichen kurzfristige Entlastungen. «Strukturelle Herausforderungen wie steigende Lebenshaltungskosten oder prekäre Erwerbssituationen und so weiter können damit jedoch nicht gelöst werden. Sie erfordern langfristige politische und gesellschaftliche Ansätze», betont Kayrahan. Caritas St.Gallen-Appenzell ist auch in diesem Sinne aktiv und engagiert sich mit ihrem Wissen und der Erfahrung sozialpolitisch. «Was die Aktion aber leisten kann – und das ist ihr zentraler Beitrag – ist, Aufmerksamkeit zu schaffen, Gespräche anzustossen und Solidarität sichtbar zu machen. Viele Menschen werden dadurch auf Unterstützungsangebote aufmerksam, die ihnen sonst vielleicht entgangen wären», meint Kayrahan. So bleibe das Thema im öffentlichen Bewusstsein präsent und Betroffene würden nicht übersehen.
Öffentliche Anlässe wie «Eine Million Sterne» könnten dazu beitragen, dass Armut als gesellschaftliche Herausforderung bewusster wahrgenommen werde. «Viele Menschen verbinden Armut nicht unmittelbar mit der Schweiz oder erkennen sie nur schwer, weil sie oft im Alltag verborgen bleibt. Die Aktion schafft jedoch einen Moment, in dem das Thema emotional zugänglich wird und in dem Menschen ins Gespräch kommen. Wir erleben, dass sich während des Anlasses viele Besucherinnen und Besucher für Lebenssituationen interessieren, in denen Menschen mit einem knappen Budget leben oder auf Unterstützung angewiesen sind.» Solche Gespräche entstünden vor allem dann, wenn ein Anlass den Blick auf soziale Fragen richtet und Raum für mögliche Lösungswege öffnet. «Für uns ist besonders wichtig, dass Menschen erkennen: Caritas ist für alle Menschen, unabhängig von Herkunft, Religion, sozialem Status oder Lebensumständen da.»
Stefanie Rohner
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