18 Millionen für die Sitter: Batteriespeicher wird zum Favoriten
Statt eines Ausgleichsbeckens soll aus Kostengründen ein Grossbatteriespeicher die Abflussschwankungen der Sitter ausgleichen.
Da die Grossspeicherbatterie in die Halle eingebaut werden soll, bleibt das Erscheinungsbild des Kubel-Areals intakt. Bild: pd
Statt eines Ausgleichsbeckens soll aus Kostengründen ein Grossbatteriespeicher die Abflussschwankungen der Sitter ausgleichen.
Kraftwerk Kubel Bei dieser Lösung wird das zufliessende Wasser möglichst kontinuierlich zur Turbine geleitet. Der erzeugte Strom wird zwischengespeichert und bedarfsgerecht ins Netz eingespeist. Damit können die heutigen Abflussschwankungen weitgehend vermieden werden, wie die Regierung in Beantwortung einer Interpellation des grünen Stadt-St.Galler Kantonsrats Daniel Bosshard ausführt. Nach fachlicher Prüfung hat der Kanton dem Bundesamt für Umwelt das Variantenstudium eingereicht und die Variante mit Batteriespeicher als Bestvariante empfohlen. Die Anhörung des Bundes ist derzeit noch im Gang.
Die nächsten Schritte
Nach dem Variantenentscheid sind nach der Regierung die Massnahmen weiter zu konkretisieren. Dazu gehören insbesondere die Detailplanung, die Projektierung des Bauvorhabens und das erforderlicheBewilligungsverfahren mit öffentlicher Auflage. Je nach Verlauf des Verfahrens, namentlich bei Einsprachen, könne die Umsetzung mehrere Jahre in Anspruch nehmen. Ein Baubeginn sei jedoch vor 2030 vorgesehen, da die aktuelle Konzession 2034 ablaufe. Aufgrund der bestehenden Maschinen des Kraftwerks Kubel würden sich gewisse Abflussschwankungen technisch jedoch nicht vollständig ausschliessen lassen, doch sollten die gesetzlichen Anforderungen an die Schwall-Sunk-Sanierung erfüllt werden können. Der Kanton steht im regelmässigen Austausch mit den St.Gallisch-Appenzellischen Kraftwerken (SAK), die den Grossbatteriespeicher im
Kubel errichten und betreiben werden.
Kosten 30 Prozent tiefer
Die SAK erklärt auf Anfrage, dass gemäss der vorliegenden Grobkostenschätzung für die Variante mit Batteriespeicher über einen Betrachtungszeitraum von 40 Jahren mit Kosten von rund 18 Millionen Schweizer Franken gerechnet wird. Damit liegen die Kosten rund 30 Prozent tiefer als bei einer Lösung mit Ausgleichsvolumen. Auf die Frage nach dem Erscheinungsbild des Speichers im Kubel, erklärt die SAK, es seien für die Platzierung des Batteriespeichers verschiedene Optionen geprüft worden. Aufgrund der eingeschränkten Platzverhältnisse sowie der Schutzinteressen im Gebiet Kubel sei eine Umsetzung mit standardisierten Containern nicht möglich. Vorgesehen sei, den Batteriespeicher in die bestehende Halle zu integrieren, die ursprünglich die drei Dieselgeneratoren beherbergt hat. Die Anlage müsse deshalb spezifisch auf die örtlichen Rahmenbedingungen angepasst werden. Der Einsatz standardisierter Module werde dabei angestrebt. Die Projektorganisation für die Projektierung wird nach dem Variantenentscheid festgelegt. Wie bei Projekten dieser Art üblich, wird die SAK im Rahmen ihrer Kompetenzen Eigenleistungen erbringen und ergänzend
Planungsbüros sowie Unternehmer beiziehen.
Geringere Risiken
Neben den tieferen Kosten sprechen insbesondere auch die geringeren Risiken und Umweltauswirkungen in der Bauphase sowie die grössere Einsatzflexibilität für die Variante mit Batteriespeicher, wie von der SAK weiter zu erfahren ist. Für die Erstellung eines Ausgleichsbeckens mit Zuleitungsstollen oder eines grossen Ausgleichsstollens wären umfangreiche Tiefbauarbeiten erforderlich, teilweise unter überbautem Gebiet. Damit einhergehend sei mit grossen Aushubverlagerungen und Emissionen zu rechnen. Demgegenüber könne der Batteriespeicher in einer bestehenden Halle mit bekannten Umgebungsbedingungen realisiert werden, ohne zusätzlichen Eingriff in die Natur und das Landschaftsbild. Die SAK weist auch darauf hin, dass sie bereits über Erfahrung im Betrieb eines Batteriegrossspeichers verfügt. In Rheineck wurde im Jahr 2024 ein Speicher mit 6,24 MWh Speicherkapazität realisiert. Die Inbetriebnahme verlief reibungslos; seither stellt der Speicher seine Flexibilität und seinen Nutzen im täglichen Betrieb unter Beweis.
Verfügung schon vor zehn Jahren
Das Wasserkraftwerk ist seit dem Jahr 1900 in Betrieb und liefert heute Strom für rund 6'600 Haushalte. Es nutzt Wasser aus der Sitter und der Urnäsch, das über ein Stollensystem dem Gübsensee zugeführt, in der Zentrale Kubel turbiniert und anschliessend in die Sitter zurückgegeben wird. Durch den heutigen Betrieb entstehen betriebsbedingte Abflussschwankungen, welche die Lebensräume der Sitter auf einer Strecke von über 30 Kilometer sowie über deren Mündung in die Thur hinaus erheblich beeinträchtigen. Mit Verfügung vom April 2016 ordnete der Kanton St.Gallen gegenüber der SAK die Ziele und Fristen für die Planung und Umsetzung der erforderlichen Massnahmen an.
Von Franz Welte
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