Kurt Grünig stemmte 1969 als letzter St.Galler Captain den Kübel
57 Jahre ist es her, seit zum ersten (und bisher letzten) Mal ein St. Galler die Cup-Trophäe in die Höhe stemmte. Kurt Grünig (82) erinnert sich.
57 Jahre ist es her, seit zum ersten (und bisher letzten) Mal ein St. Galler die Cup-Trophäe in die Höhe stemmte. Kurt Grünig (82) erinnert sich.
Fussball Am vergangenen Sonntag löste der FC St. Gallen in Yverdon das Cupfinal-Ticket: 2:0-Sieg gegen die Waadtländer Unterklassigen. Auch im Final wartet auf das Team von Trainer Enrico Maassen mit Stade Lausanne-Ouchy ein Klub aus der zweithöchsten Liga. Darum sagt Grünig: «Das ist ein Gegner, den man schlagen muss – wie auch Yverdon.» 57 Jahre sind seit dem letzten St. Galler Cup-Sieg (2:0 gegen Bellinzona) vergangen. Viermal standen die Espen seither im Final, viermal hoffte der Captain von 1969 vergeblich, dass er abgelöst wird.
Es braucht viele Zufälle, dass der gebürtige Berner Oberländer Kurt Grünig – 1964 in seinem ersten Länderspiel Doppeltorschütze beim 2:3 gegen Norwegen – 1967 in der zweithöchsten Spielklasse beim damaligen Nationalliga-B-Klub St. Gallen landet. «Ich wusste nicht einmal, wo St. Gallen liegt», sagt Kurt Grünig am vergangenen Sonntag, «eine Autobahn gab es damals auch nicht.»
Mittelstürmer Grünig spielt damals für YB. Bei den Vertragsverhandlungen sitzt er allein sechs Klubvertretern gegenüber: «Die sagten, ich könne erst wieder kommen, wenn ich 25 Spiele hätte. Die machten mich einen Kopf kleiner.» Doch Nati-Spieler Grünig ist begehrt. Er machte einen Test mit Servette (gegen Chelsea) und einen mit Lugano (gegen Tottenham Hotspur). Beide NLA-Vereine wollen ihn. Doch YB verlangt 360 000 Franken, damals eine astronomische Summe.
Grünig erinnert sich: «Den Kübel habe ich kaum rauf gebracht, der war so schwer.» Den ersten Schluck aus dem Pott offeriert er Bellinzonas Captain Renzo Bionda, den zweiten St. Gallens Präsident Elio Cellere.
Kurz vor Transferschluss zieht Grünig 1967 zu NLB-Klub St. Gallen. Bereits in der ersten Saison mit dem Natispieler folgt der Aufstieg. Und ein Jahr danach steigt der Cupfinal. Am Pfingstmontag vor 24 000 Fans im Wankdorf. Gegner: die AC Bellinzona. Grünig: «Auf dem Weg in den Final warfen wir YB, Lugano und Servette raus. Niemand hat gedacht, dass wir je in einen Final kommen würden. Das war für die Region eine Riesensache, der ganze Kanton war auf den Beinen.»
St. Gallens Trainer Albert Sing, 1954 beim Wunder von Bern Assistenztrainer der deutschen Weltmeister-Truppe, wählt für die Vorbereitung wie 15 Jahre zuvor mit Deutschland das Hotel Belvédère in Spiez BE. Mit dem berühmten «Geist von Spiez» fahren die St. Galler zum Final.
Grünig legt zweimal für Rudi Nafziger (zwei Jahre zuvor mit Bayern München Europapokalsieger) pfannenfertig auf. Der FCSG holt sich seinen Cup-Titel.
Und wie war es damals mit den Prämien? Grünig: «Ich hatte eine, die meisten anderen Spieler aber nicht. Deshalb sprach ich beim Präsidenten vor. Er sagte, ich könne, falls wir gewinnen, 20 000 Franken abholen. So verteilte ich dann die 20 000 aus einem kleinen Couvert unter den Spielern.» Grünig bekommt von einem Sponsor noch eine Extra-Prämie: Er darf eine Woche ein Luxus-Auto der Marke Maserati fahren. Jetzt heisst der Final-Gegner Stade Lausanne-Ouchy. Grünig scherzhaft: «Matthias Hüppi: Kannst mich anrufen, ich weiss, wie man Cupfinals gewinnt.» Hüppi ist der aktuelle Präsident des FCSG.
Grünig gewann 1970 und 1972 auch mit dem FC Zürich den Pokal-Wettbewerb. Die Medaillen sind ihm bei einem Einbruch 2002 alle gestohlen worden. Geblieben ist ihm ein 480 Seiten dickes und fünf Kilogramm schweres Buch, in dem alle Artikel und Fotos, die seine Mutter einst gesammelt hatte, abgedruckt sind. Auch das Schwarz-Weiss-Bild, das Grünig vor 57 Jahren zeigt, wie er die Sandoz-Trophäe in die Höhe stemmt.
Max Kern
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