Florian Kobler
sorgt sich um den Mangel an altersgerechten Wohnungen im Kanton.
Littering auf St.Galler Kantonsstrassen nimmt zu: Besonders häufig weggeworfen werden Zigarettenstummen, Take-away-Verpackungen und Getränkeverpackungen wie Aludosen und PET-Flaschen.
Das Strasseninspektorat St.Gallen hat entlang der Kantonsstrassen eine deutliche Zunahme von Littering festgestellt. Die Folgen sind steigende Kosten, Sicherheitsrisiken und ein erheblicher Mehraufwand für die Mitarbeitenden. Nun will der Kanton mit Präventionsmassnahmen dagegen vorgehen.
Umwelt Littering ist auf den St.Galler Kantonsstrassen zunehmend ein Problem. Obschon heute schweizweit insgesamt weniger Abfall im öffentlichen Raum liegen gelassen wird als noch vor einigen Jahren, konnte das Strasseninspektorat St.Gallen im vergangenen Jahr eine deutliche Zunahme von Littering in der Nähe von Kantonsstrassen feststellen. Besonders betroffen sind beispielsweise Ausserortsstrecken, Autobahnzubringer, Umfahrungen, Parkplätze sowie Bereiche vor und nach Tunnels. Auch rund um Tankstellenshops, Take-away-Angebote und nach Grossveranstaltungen nimmt das Littering deutlich zu. «Littering ist ein Thema, das nicht nur uns vom Strassenkreisinspektorat nervt, die den Abfall aufnehmen müssen, sondern vor allem auch die Anwohnenden der Kantonsstrassen. Es gibt nichts, was wir noch nicht am Strassenrand gefunden haben. So haben wir zum Beispiel schon Tresore, Toaster, Sexspielzeug oder Plastikchristbäume gefunden», sagt Titus Tobler, Strassenkreisinspektor des Strassenkreisinspektorats St.Gallen. Besonders häufig werden Zigarettenstummel weggeworfen; sie machen 66 Prozent der gefundenen Abfallstücke aus. Am zweithäufigsten werden Take-away-Verpackungen gefunden, gefolgt von Getränkeverpackungen wie Aludosen und PET-Flaschen.
Für die Instandhaltung und Reinigung von etwa 650 Kilometern Kantonsstrassen trägt das kantonale Strasseninspektorat die Verantwortung. Zu seinem Zuständigkeitsbereich zählen zudem die angrenzenden Grünstreifen sowie landwirtschaftlich genutzte Flächen. Jedes Jahr werden unzählige Arbeitsstunden dafür aufgewendet, Abfälle einzusammeln – angefangen bei kleinen Verpackungen bis hin zu grösseren Gegenständen. Dabei gehört das Beseitigen von Müll nicht zu den eigentlichen Kernaufgaben des Strasseninspektorats. Eine gesetzliche Verpflichtung zur Übernahme dieser Tätigkeit besteht für das Strasseninspektorat nicht. «Littering ist respektlos, und wir würden dieses Verhalten gerne ansprechen. Die Mitarbeitenden des Strasseninspektorats haben ein sehr breites Aufgabengebiet und daher Besseres zu tun, als Abfall vom Strassenrand aufzunehmen», sagt Charles Rinderknecht, Kantonaler Strasseninspektor.
Pro Jahr werden durch Littering insgesamt rund 6’500 Personenstunden beansprucht. Das entspricht in etwa der Arbeitsleistung von drei bis vier Vollzeitmitarbeitenden. Dadurch bleibt den Angestellten deutlich weniger Zeit, um ihre zentralen Aufgaben im Strassenunterhalt wahrzunehmen. Darüber hinaus bringt Littering noch zahlreiche weitere Probleme mit sich. «Littering ist auch mit Sicherheitsrisiken verbunden. Die Mitarbeitenden des Strassenkreisinspektorats müssen an stark befahrenen Strassen nahe am fliessenden Verkehr arbeiten. Auch für die Tiere ist Littering ein Gesundheitsrisiko. Wenn ein Tier Plastik oder Glasscherben verschluckt, kann dies zu tödlichen Verletzungen führen», so Susanne Hartmann, Regierungsrätin des Kantons St.Gallen und Vorsteherin des Bau- und Umweltdepartements.
Neben Sicherheitsrisiken und Umweltschäden verursacht Littering auch immense Kosten. Entlang der St.Galler Kantonsstrassen entstehen durch achtlos entsorgten Abfall jedes Jahr Kosten in der Höhe von rund 1,2 Millionen Franken. Dieses Geld könnte stattdessen in die Verkehrssicherheit oder in den Unterhalt der Strassen investiert werden. «Littering ist nicht nur schädlich für Tiere und Umwelt, sondern kostet den Kanton auch Unmengen an Geld, und die Tendenz ist weiterhin steigend. Dieses Geld könnten wir deutlich sinnvoller einsetzen, zum Beispiel für die Grünpflege, Landschaftsschutz- oder Biodiversitätsmassnahmen», so Rinderknecht.
Um gegen Littering an Kantonsstrassen vorzugehen, möchte der Kanton die Bevölkerung mit verschiedenen Präventionsmassnahmen für das Thema sensibilisieren. Dass dies wirksam sein kann, bestätigt Nora Steimer, Geschäftsleiterin der IG saubere Umwelt (IGSU). «Wir haben im vergangenen Jahr verschiedene Präventionsmassnahmen in neun verschiedenen Städten auf insgesamt 26 öffentlichen Plätzen getestet. Dabei hat sich gezeigt, dass alle ergriffenen Massnahmen zu einer Reduktion von Littering geführt haben. Die Menge an herumliegendem Abfall konnte um etwa ein Drittel reduziert werden», so Steimer. Spezifische Massnahmen wie Abfallkübel mit kreativen Slogans, gut gekennzeichnete Recyclingstationen und Aufklärungsgespräche auf öffentlichen Plätzen zeigen eine besonders starke Wirkung. Auch Sensibilisierungsmassnahmen wie Plakatkampagnen tragen zu einer Verbesserung bei, jedoch nicht mit derselben Wirksamkeit. Die IGSU führt schweizweit Workshops mit Schulen durch, organisiert Aktionen im öffentlichen Raum, führt Kampagnen durch und organisiert auch den nationalen «Clean-Up-Day». Zudem arbeitet die IGSU seit mehreren Jahren an einer umfassenden Littering-Studie, um das Verständnis in der Bevölkerung zu stärken und Methoden zu finden, wie effektiver gegen Littering vorgegangen werden kann. «Unser Ziel ist es, mit Präventions- und Sensibilisierungsmassnahmen das Bewusstsein der Bevölkerung für dieses Problem zu fördern und somit ihr Verhalten nachhaltig zu ändern. Das gelingt uns bislang sehr gut», so Steimer.
Zusätzlich zu Präventionsmassnahmen plant der Kanton in diesem Jahr eine Gesetzesanpassung, um das Problem wirksamer anzugehen. Im Jahr 2024 verabschiedete das nationale Parlament mit der Teilrevision des Umweltschutzgesetzes ein landesweit geltendes Littering-Verbot. Im Sommer 2025 leitete der Bundesrat die Vernehmlassung zur Einführung schweizweit einheitlicher Ordnungsbussen gegen Littering ein. Derzeit kann die Polizei das Wegwerfen einzelner Kleinabfälle mit einer Busse von 50 Franken und das Entsorgen mehrerer Kleinabfälle mit 200 Franken ahnden. Diese Bestimmungen sollen voraussichtlich im Sommer angepasst werden. Künftig ist vorgesehen, für das widerrechtliche Entsorgen einzelner Kleinabfälle 100 Franken zu erheben, für mehrere Kleinabfälle weiterhin 200 Franken. Bei Abfallmengen zwischen 35 und 60 Litern sind 250 Franken vorgesehen, bei Mengen zwischen 60 und 110 Litern 300 Franken. Übersteigt die Menge 110 Liter, kann zudem ein ordentliches Strafverfahren eingeleitet werden, wobei Bussen von bis zu 20'000 Franken möglich sind. «Autofahrerinnen und Autofahrer müssen wissen: Littering ist nicht nur kostspielig, sondern auch illegal. Unser Ziel ist es aber nicht, die Leute zu bestrafen. In erster Linie wollen wir an den gesunden Menschenverstand appellieren, um die Situation wieder zu verbessern», so Rinderknecht.
Selim Jung
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