Schon 1540 riss die Hitze den Schweizer Boden auf
Auch im Kanton und der Stadt St. Gallen fallen dieses Jahr Hitzerekorde. Ein Blick zurück ordnet die Extremereignisse von diesem Sommer ein.
Im Jahr 1971 hatte der Bodensee ebenfalls einen Tiefstand. Hinten links ist die Stadt Rorschach zu sehen. Bild: ETH-Bildarchiv
Auch im Kanton und der Stadt St. Gallen fallen dieses Jahr Hitzerekorde. Ein Blick zurück ordnet die Extremereignisse von diesem Sommer ein.
Klima Mittwoch vorletzter Woche melden die Meteorologen einen neuen Hitze-Rekord für St. Gallen: 28,6 Grad. Dadurch wird die Bestmarke von 1990 um 1,7 Grad überboten. Tags darauf ist es um 12.40 Uhr bereits 29,3 Grad. Rhein und Bodensee haben viel zu tiefe Pegelstände. Am Donnerstag vor zwei Wochen liegt der Pegelstand in
Konstanz bei nur 291 cm. Bei aller Panik-Mache sei erwähnt: Beim Allzeittief im Jahre 1823 waren es nur 210 Zentimeter. Oder 81 Zentimeter weniger.
Blick in die Chronik
Erleben wir gerade einen Jahrhundert-Sommer? Und ist dies alles eine Folge des Klimawandels? Kann, muss aber nicht sein. Aussergewöhnliche Wetterphänomene gab es in der Schweiz schon vor über 1000 Jahren. Das zeigt ein Blick in die «Chronik der Wetterpropheten» des Meteorologischen Vereins Innerschweiz.
Warmer Sommer im Jahr 1185
Anno 1005 – vor 1021 Jahren – kommt es in der Schweiz nach einer langen Dürreperiode zu einer Hungersnot! Auch im Jahr 1185 ist der Sommer viel zu warm. Die Folge? Im Dezember, Januar und Februar blühen der Weinstock und die Bäume. Kirschblüten neben dem Weihnachtsbaum.
1301: In Deutschland blühen im Januar die Bäume.
1473: Die Wetterpropheten schreiben in ihrer Chronik: «Grosse Hitze. Zwölf Wochen ohne Regen. Die Kirschbäume tragen zweimal Früchte, an Pfingsten und an Martini (11. November, die Red.).»
Kein Schnee im Jahr 1529
1529 auf 1530: In St. Gallen fällt den ganzen Winter kein Schnee.
1540: «Ein sehr heisser Sommer. Es regnete nie, der Boden hatte schuhbreite Spälte. Das aussergewöhnlichste Jahr des Jahrhunderts. An Weihnachten tummelten sich in Schaffhausen junge Burschen im Rhein.»
Für den Sommer 1616 notieren die Wetterschmöcker: «Die Hitzewelle im Juni und Juli kann als eine der extremsten der letzten fünf Jahrhunderte bezeichnet werden.»
1794 jubeln die Bauern. Mitte Februar blühen sonnig gelegene Kirschbäume, Mitte März gibt es Laub
und Gras, Ende April beginnt der Heuet.
Felssturz von Goldau
Im Jahr 1806 gefriert den ganzen Winter kein Brunnen. Der trockene, heisse Mai reisst Spalten in den Boden und der überaus nasse Sommer füllt diese Spalten nicht nur mit Wasser, sondern dehnt sie weiter aus, was zum berühmten Felssturz von Goldau SZ führt: 457 Menschen fanden den Tod, 323 Stück Vieh wurden von den Felsmassen erdrückt.
1920: Die Schweiz erlebt den längsten goldenen Herbst: 47 Tage ohne Regen.
Auch im Jahre 1947 ist es noch heisser als heute. Die Wetterpropheten schreiben damals: «Der September war der trockenste und heisseste seit Menschengedenken. In den 130 Jahren, wo das Wasser im Rhein gemessen wird, war der Pegel noch nie so tief.»
Jahrhundert-Sommer im Jahr 2003
Ob der diesjährige Sommer den Jahrhundert-Sommer von 2003 übertrifft, kann erst Ende August mit
Sicherheit in die Bücher eingetragen werden. Und bis dann fliesst noch viel Wasser den Rhein runter.
Von Max Kern
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