Milo Rau
wird als wirkmächtigster politischer Künstler unserer Zeit bezeichnet.
Ein erster Entwurf der geplanten Sportparks Gründenmoos der Admicasa Gruppe. z.V.g.
Auf dem Gründenmoos-Areal im Westen der Stadt St.Gallen wird erneut über ein gross angelegtes Sportinfrastrukturprojekt diskutiert. Geplant ist ein polysportiver Sportpark mit Trainings- und Wettkampfanlagen für Breiten-, Leistungs- und Nachwuchssport. Das Investitionsvolumen beträgt rund 150 Millionen Franken.
Gründenmoos Vorgesehen sind Infrastrukturen für verschiedene Sportarten, darunter Eishockey, Fussball, Tennis sowie weitere Hallen- und Feldsportarten. Aufgrund seiner Grösse und Ausrichtung wird das Projekt teilweise mit einem «Magglingen 2.0» verglichen. Bereits im März 2025 war ein ähnliches Vorhaben gescheitert. Damals hatten Stadt und Kanton St.Gallen eine geplante Private-Public-Partnership mit der Sportfeld Gründenmoos AG beendet. Ausschlaggebend waren ein unzureichend fundierter Businessplan sowie Zweifel an der langfristigen Finanzierbarkeit von Bau und Betrieb. Der Entscheid stiess auf Kritik, da im Kanton St.Gallen ein ausgewiesener Mangel an Sportflächen und Hallen besteht.
Mit einer neuen Idee bringt sich nun die Admicasa-Gruppe ins Spiel. Der private Immobilienentwickler schlägt vor, den Sportpark über einen Immobilienfonds zu realisieren. Der sogenannte Admicasa Real Estate Sports Fund soll gezielt in Sportimmobilien investieren und einen wirtschaftlich nachhaltigen Betrieb ermöglichen. «Der Admicasa Real Estate Sports Fund ist ein reguliertes Finanzierungsgefäss auf höchstem Niveau», sagt Verwaltungsratspräsident Serge Aerne. Entscheidend sei jedoch nicht allein das Finanzierungsmodell: «Die wirtschaftliche Tragfähigkeit hängt auch davon ab, mit welchen Nutzungsformen konstante Geldflüsse generiert werden.» Geplant ist deshalb eine Mehrfachnutzung der Anlagen, um diese über den ganzen Tag hinweg auszulasten. Zusätzliche Einnahmen sollen unter anderem aus Angeboten in den Bereichen Hotellerie und Gastronomie stammen. Ziel ist es, Investoren eine angemessene Rendite zu bieten und gleichzeitig Vereinen sowie Nachwuchssportlerinnen und -sportlern bezahlbare Infrastruktur zur Verfügung zu stellen.
Für den Beirat des Fonds konnte Admicasa mehrere bekannte Persönlichkeiten aus dem Schweizer Sport gewinnen, darunter Eishockeyspieler Timo Meier, der frühere Federer-Trainer Severin Lüthi, der ehemalige BASPO-Direktor Matthias Remund sowie Markus Bütler, CEO der Rapperswil-Jona Lakers. «Unsere Beiräte setzen sich für den geplanten Sport Fond ein, weil dieser etwas Gutes bewirkt. Er reagiert auf den grassierenden Mangel an Sportinfrastruktur und finanziert Sportimmobilien von der Turnhalle bis zum Grossprojekt», so Aerne. Die prominente Unterstützung soll auch inhaltlich Wirkung entfalten. «Unsere Beiräte bringen sportart-spezifisches Wissen aus Spitzen-, Breiten- und Nachwuchssport ein und helfen, praxistaugliche Sportimmobilien zu entwickeln», so Aerne. Der Fonds selbst benötigt allerdings noch die Genehmigung der Eidgenössischen Finanzmarktaufsicht. Aerne zeigt sich dennoch zuversichtlich: «Wir gehen davon aus, dass die Finma-Bewilligung deutlich früher vorliegt, als ein allfälliger Baurechtsvertrag unterzeichnet werden könnte.»
Die Stadt St.Gallen ist Eigentümerin des Areals und steht der Idee grundsätzlich offen gegenüber, zeigt sich jedoch zurückhaltend. Stadtrat Mathias Gabathuler, Vorsteher der Direktion Bildung und Freizeit, betont, dass sich Stadt und Kanton derzeit erst in einer frühen Phase befinden: «Wir führen mit der Admicasa erste Sondierungsgespräche, es gibt keine Verhandlungen. Grundlage ist ein Strategiepapier, das nun geprüft wird.» Aus Sicht der Stadt unterscheidet sich der neue Ansatz wesentlich vom früheren Projekt. «Beim ursprünglichen Vorhaben wären Gelder von Stadt und Kanton à fonds perdu geflossen», sagt Gabathuler. Bei einem Fondsmodell würden öffentliche Mittel – falls sich die öffentliche Hand beteilige – grundsätzlich verzinst. Gleichzeitig formuliert der Stadtrat klare Bedingungen. «Für uns ist unabdingbar, dass die Nutzenden des Sportparks früh eingebunden werden und dass der Breitensport gleichberechtigt Platz hat», sagt Gabathuler. Ebenso müsse das Finanzierungskonzept die langfristige Tragbarkeit von Bau, Betrieb und Unterhalt aufzeigen.
Nach dem Abbruch des früheren Projekts habe die Stadt gemeinsam mit dem Kanton alle betroffenen Sportvereine an einen Tisch geholt und deren Bedürfnisse systematisch erhoben. «Dieser enge, konstruktive Dialog mit den Vereinen wird sehr geschätzt und weitergeführt», so Gabathuler. Als Ergebnis verfolgt die Stadt weiterhin eine dezentrale Sportstrategie mit fünf Sportschwerpunktgebieten: den Sportanlagen Ost, dem Athletikzentrum, der Kreuzbleiche, dem Lerchenfeld und dem Gründenmoos. Daran ändere auch die neue Idee eines Sportparks nichts. «Wir sehen von einer Konzentration an einem einzigen Standort ab», sagt Gabathuler. Nun müsse gemeinsam geklärt werden, ob die strategische Stossrichtung mit dem Immobilien-Portfolioansatz der Admicasa vereinbar ist. Ob und in welcher Form es zu einer Zusammenarbeit kommt, ist offen. Klar ist jedoch, dass ein Projekt dieser Grössenordnung einen langen politischen und rechtlichen Prozess durchlaufen müsste. Ein Baurechtsvertrag würde dem Stadtparlament vorgelegt und könnte auch eine Volksabstimmung nach sich ziehen. Entsprechend bleibt der Zeitplan offen – selbst bei grundsätzlichem Einvernehmen aller Beteiligten.
Selim Jung
Lade Fotos..